Samstag, 17. September 2011

Von Tucumcari, NM nach Santa Fe, NM

Gestern Morgen schien in New Mexico wieder die Sonne, es versprach ein weiterer schöner Tag zu werden. Dirk bot sich an, einen Spaziergang zur Wäscherei zu machen, um unsere Klamotten zu holen. So konnte ich noch ein paar Fotos unseres Motels bei Tageslicht machen, einen Kaffee auf der "Terrasse" genießen und in Ruhe packen:



Als Dirk in den Waschsalon kam, oh Schreck, waren unsere Sachen nicht mehr da. Die nette Dame, die den Laden betreut hatte unsere Sachen über Nacht in einem Hinterzimmer zum Trocknen aufgehängt. Das ist ja nett!!!  So konnten wir unsere Reise nach einer Nacht in einem ganz tollen Motel und frisch gewaschenen Klamotten fortsetzen. Es hätte uns auch viel schlechter treffen können:

Auf der Straße zwischen Tucumcari, NM und Montoya, NM wurde es wieder "dreckig". Durch diesen Abschnitt haben wir uns mit dem Wagen noch durchgetraut (hoffentlich liest niemand von der Autovermietung mit):


Nach drei weiteren Matschlöchern war dann aber Schluss, wir drehten lieber wieder um und wichen auf den Interstate Highway aus. Für den Familienfrieden war diese Entscheidung die bessere Wahl. O-Ton Dirk (in einem Telefonat mit meinen Eltern):"Eure Tochter ist verrückt, die scheucht mich hier durch den Matsch. Wir sind eben schon beinahe im Dreck steckengeblieben." 

ch lese hier nur die Karte, für die Wetter- und Straßenbedingungen bin ich nicht verantwortlich.   :-)

In Santa Rosa, NM schauten wir uns tolle Flitzer im Automuseum an:



Anschließend fand in Santa Rosa eine "Homecoming Parade" für das Football-Team der hiesigen Highschool statt. Die haben wie bei uns beim Karneval mit "Kamelle" geworfen:


Ein Stück hinter Santa Rosa, NM bogen wir auf den "Santa Fe Loop" nach Norden ab, der uns zunächst nach Las Vegas brachte. Nein, nicht nach "Sin City" in Nevada, wo wir uns nächste Woche mit Laura und ihrem Freund treffen, sondern nach Las Vegas in New Mexico.


Laura, wenn du das hier lesen solltest; smsen funktioniert hier in den USA mit Dirks Handy nicht! Und deine private e-Mail-Adresse haben wir leider nicht. Schick sie uns doch bitte oder hinterlasst uns in Vegas im "Ceasar's Palace" eine Nachricht, wir werden am 21. abends ankommen. Wir freuen uns schon auf Euch!

Las Vegas, NM und Las Vegas, NV haben so gar nichts gemeinsam. Wir waren in einem verschlafenen Ort, Universitätsstadt und ehemaligem Kurort. Wir aßen in einem Cafe, das an ein Webzentrum angeschlossen ist, eine Kleinigkeit zu Mittag. Wir fühlten uns in einen 3.-Welt-Laden in Hannover-Linden versetzt.  :-)

Weiter ging es zumPecos National Historic Park. Die Jungs vom Nationalparkservice scheinen hier nicht so viel Zulauf zu haben, jedenfalls stürzten sich im Visitor Center gleich 3 Parkranger begeistert auf uns, um uns mit Informationen, Broschüren, Wegbeschreibungen und Stempeln für den Nationalparkpass zu  versorgen. Wir wollten uns unbedingt die indianischen Ruinen des Pueblo anschauen, wussten jedoch, dass der Park bald schließt. Und die quatschten, und quatschten, und quatschten....


Den Abend bzw. die Nacht verbrachten wir dann in Santa Fe, wo wir unser Tipi im Silver Saddle Motel aufgeschlagen haben. Immerhin soll Clint Eastwood hier auch schon übernachtet haben.

Die Adobe-Bauweise hier in Santa Fe gefällt uns besonders gut. Wir konnten schön draußen sitzen, eine Mariachi-Band machte Musik und der Pinot Noir war ausgezeichnet.





Wir hätten gerne mehr Zeit in Santa Fe verbracht. New Mexico, seine Parks und Scenic Byways (Panoramastraßen), das leckere Essen, die Natur und die kleinen Orte werden wir in einem späteren Urlaub auf jeden Fall nocheinmal intensiver erleben wollen.

Freitag, 16. September 2011

Von Amarillo, TX nach Tucumcari, NM

Heute schreiben wir euch von einem ganz besonderen Ort, dem Blue Swallow Motel in Tucumcari, NM. Ich muss gleich am Anfang davon berichten, weil dass hier so ein fantastischer Ort ist und wir die tolle Stimmung so gerne mit euch teilen möchten.

Das Blue Swallow ist ein typisches amerikanisches Motel, ein sogenanntes "Mom and Pops"-Motel, sprich familiengeführt und ursprünglich amerikanisch. Es liegt direkt an der Route66, die Zimmer sind eher winzig und neben den Zimmern befinden sich kleine Garagen, die früher einen Zugang zum Zimmer hatten. Vor den Zimmern sind alte Schaukelstühle aus Plastik aufgestellt, es ist ausdrücklich erwünscht, dass man abends noch draußen sitzt und sich mit den anderen Gästen trifft, einen Drink zu sich nimmt oder die Golden-Retriever-und-was-weiß-ich-noch-Mischungen Boomer und Bessy bespaßt.

Leider hat es sich seit gestern Abend sehr abgekühlt, so dass die anderen Gäste alle schon in ihren Zimmern verschwunden sind. Schade. Glücklicherweise regnet es nicht mehr, so dass Nancy und Kevin ("Frank") Mueller, die Besitzer, das schöne blinkende Neonschild anmachen konnten. Nun sitzen wir hier im Schein der blinkenden Möwe, das flackernde Neon-Licht trägt eindeutig  zu der besonderen Atmosphäre bei.


Dabei hatte der Tag so ganz anders begonnen. In unserer letzten Unterkunft, einem Holiday Inn Express in  Canyon, TX, einer sauberen aber gesichtslosen Kette, wurden wir morgens von einem seltsamen Geräusch geweckt: es regenete und eine dicke Dunstdecke lag über Texas. Wir hatten uns Texas heiß und trocken wie Oklahoma vorgestellt, was es normalerweise auch ist. Und wir kommen ausgerechnet an einem der wenigen Regentage an! Doch die Texaner freute es, denn im Süden des Staates wüten seit Wochen schwere Präriebrände. Wir schmissen uns also in Jeans, dicke Pullis und Regenjacken und machten uns auf zum Palo Duro Canyon. Wir wollten unbedingt etwas wandern gehen.  Daraus wurde leider nichts. Zwar ließ der Regen nach, doch der Lehmboden hatte sich so mit Wasser vollgesogen, dass die Hikingtrails unbegehbar waren. Es zog uns regelrecht die Schuhe aus, wir fühlten uns an das Niedersächsische Wattenmeer erinnert! Also machten wir es wie die Amerikaner und fuhren die Panoramastraße mit dem Wagen. Zumindest soweit wir kamen, denn auch ein Teil der Straße war überflutet.


Wir dachten, wir hätten Matsch unter den Füßen gehabt? Von wegen, richtigen Matsch fanden wir auf der Cadillac Ranch vor den Toren Amarillos vor. Das Feld, auf dem ein exzentrischer Millionär 10 "Detroit's finest" hat in den Boden rammen lassen, hatte sich in einen kaum begehbaren Acker verwandelt:


Aber ich musste ja unbedingt ganz nah dran, um unsere Initialien auf einen der Wagen zu sprühen. Katrin, das ist hier ausdrücklich erlaubt, du musst also kein Verfahren gegen uns einleiten! 

Nachdem wir unsere Schuhe wieder einigermaßen sauber bekommen hatten, so dass wir wieder unter Leute konnten, wärmten wir uns in Vega, TX im Boot Hill Saloon & Grill auf. Die Kellnerin, die aussah wie Vroni mit Cowboyhut, schien richtig enttäuscht als ich Fisch bestellte. Aber nach den vielen Fleischportionen der letzten Tage konnte ich nicht schon wieder Steak essen. Der Catfish mit Pommes aus Süßkartoffeln war aber auch ausgesprochen lecker!

Unser letzter Halt in Texas war schließlich das Midpoint Cafe in Adrian. Hier hatten wir nun also offiziell die Hälfte unserer Tour erreicht. Tatsächlich zeigte der Tacho an dieser Stelle schon etwas über 1400 Meilen an, schließlich hatten wir uns schon das ein oder andere Mal verfahren oder haben auch bewusst einen Umweg in Kauf genommen.

Ich wurde ganz rührselig, "nur" noch  1139 Meilen durch 4 Staaten, da mussten wir uns mit der Spezialität des Hauses, einem "Ugly crust pie" trösten:

Ugly Crust Pie
Vor dem Cafe steht wieder ein altes Auto, "Flow" aus dem Film "Cars".



Auch hier durfte man sich namentlich verewigen, aber es gab gar keinen freien Platz mehr. Glücklicherweise hat jemand stellvertretend für alle an die Mütter zu Hause gedacht:


An der Staatsgrenze zu New Mexico befindet sich Glenrio. Früher führte die Route 66 mitten durch den Ort, heute ist Glenrio durch den Bau des Interstate Highway wie so viele andere Orte auch zu einer Geisterstadt verkommen.  Der Zustand der alten Route 66 ist schon bei schönem Wetter nicht besonders gut, so dass wir beschlossen, heute lieber ein Stück auf dem Highway zu fahren. Da sollte sich als vorausschauend und weise erweisen, eine Einheimische erzählte uns später, dass die Straße aufgrund des Regens in der vergangenen Nacht zur Zeit unpassierbar sei. Wer weiß, wo wir jetzt sonst vielleicht feststecken würden?

Durch das Erreichen einer neuen Zeitzone konnten wir die Uhren eine Stunde zurückstellen; wir sind nun 8 Stunden vor der deutschen Zeit.

So kamen wir schließlich heil in Tucumcari, NM und in dem bereits erwähnten Blue Swallow Motel an. Wir sind vorhin zu einem Waschsalon gefahren und haben uns -während die Maschine lief- die sehr ruhige Downtown angeschaut. Tucumcari hat auch wieder sehr sehenswerte Wandbilder in der ganzen Stadt verteilt:




Beim Bummel in der Stadt und dem Abendessen im "Pow Wow Restaurant" haben wir gar nicht mehr an unsere Wäsche gedacht. Als wir zurück zum Waschsalon kamen, hatte dieser schon geschlossen. Naja, da wird schon nichts wegkommen.....

Karte zu unserer heutigen Tour

Donnerstag, 15. September 2011

Von Elk City, OK nach Amarillo, TX

Mit dem Song "Show me the way to Amarillo" starteten wir heute vergnügt in den Tag. Doch zunächst statteten wir dem Museumskomplex in Elk City, OK noch einen Besuch ab.

In den vielen Museen zur Route 66 oder der Besiedelung des Westens wiederholen sich viele Dinge, aber oft steht auch mal nur ein ganz bestimmtes Thema im Vordergrund. Und eines haben wieder alle Museen gemeinsam: sie werden von Freiwilligen betreut, meist Rentnern, die in ihrer Freizeit etwas für die Gemeinschaft tun. Je weiter man nach Westen kommt, desto weniger redselig werden diese allerdings. Offenbar wird nicht nur die Landschaft hier "trockener".

      Falls wir mal umziehen, so haben wir beschlossen, dann mit diesem Wagen.

Im Laufe des Tages gönnte ich mir eine Dauerwelle.  :-)  Gruselig, oder?

Die "Route 66 Bar" in Sayre, OK ist zwar mittlerweile geschlossen, erhalten ist aber dieses schöne Wandbild:

Kurz vor Hext, OK verlaufen zwei Spuren der ehemals 4-spurigen Route 66 als "dead road" parallel zu den zu befahrenden Spuren. Es ist geplant, aus ihnen mal einen Fahrradweg zu machen. Hahaha, na sicher, weil man hier ja auch sooooooooooo viel Fahrrad fährt....


Selbst die Eisenbahnstrecke wurde aufgegeben.


In dieser Einöde wollten wir lieber keine Panne haben; wir waren froh, als der Wagen problemlos ansprang und wir weiterfahren konnten, immer noch mit dem Amarillo-Song auf den Lippen.


In Erick, OK entdeckten wir dieses Kuriositätengeschäft.

Leider (oder vielleicht zum Glück?) waren die Besitzer nicht da. Der Laden wirbt mit dem Slogan:"See rednecks work and play in their own environment. Insanity at it's finest"

Texola, OK, der letzte Ort vor der texanischen Grenze, erwies sich als wahre Geisterstadt:
Zonenrandgebiet auf amerikanisch!

Shamrock, TX wiederum erwartete uns mit dem wunderschönen "U-Drop-Inn". In den 30er Jahren wurde es als Tankstelle, Werkstatt und Diner erbaut; heute beherbergt es ein kleines Visitor Center und die örtliche Handelskammer. Wir mussten kurz an Jim aus dem Museum in Pontiac, IL denken, der uns erzählte, wie er 1947 genau dort mit seinen Eltern auf dem Weg nach Kalifornien eingekehrt ist. Ihr werdet das Gebäude vielleicht aus dem Film "Cars" kennen:


Wir fuhren weiter nach McLean, TX. Der ganze Stolz dieses Dorfes ist das örtliche Stacheldrahtmuseum, wieder eine Kuriosität am Straßenrand. In dem Gebäude war früher eine Damenunterwäschefabrik untergebracht, heute waren wir die einzigen Besucher. Schnell weiter....

Wenigstens konnten wir ein Stück weiter unserer "Tankstellensammlung" noch ein besonderes Fotoexemplar beisteuern.

Dies ist der schiefe (Wasser-)turm von Groom, TX, kurz vor Amarillo. Route 66-Reisenden ist er sicherlich ein Begriff, in der Realität ist er aber irgendwie gar nicht so spektakulär (und aus dieser Perspektive auch nicht besonders schief).

Zum "Abendessen" hielten wir in Amarillo, TX
bei der Big Texan Steak Ranch. Wenn man es hier schafft, ein ca. 2 Kilo schweres Steak mit Beilagen in weniger als 1 Stunde zu verdrücken, so braucht man sein Essen nicht zu bezahlen. Man sitzt während des Essens auf einer Art Bühne, alle schauen einem zu und die Uhr läuft rückwärts mit. An die "Conny Reimann vs. food"-battle, die in Deutschland vor ca. 2 Jahren im Fernsehen ausgestrahlt wurde, konnte sich unser Kellner (angeblich) noch erinnern. Da wir mittags schon im "Red River Steakhouse" in McLean gegessen  hatten, entschlossen wir uns für eine süße "Kleinigkeit" an einem "normalen" Tisch: meine ehrenvolle Aufgabe war es, einen Brownie von Unmengen Eiscreme, Sahne und Schokoladensauce zu befreien. Diesen Kampf habe ich verloren. Jetzt liegen wir pappsatt in einem texanischen Hotelzimmer und werden bestimmt heute Nacht von Unmengen an Kalorien träumen.  Morgen wollen wir etwas wandern gehen, wir freuen uns schon auf etwas Bewegung nach so viel Sitzen und Essen!












Mittwoch, 14. September 2011

Von Oklahoma City, OK nach Elk City, OK

Gestern sind wir nach unserer zweiten Nacht im Bricktown Hotel schon früh aufgestanden, weil wir etwas ganz uriges vorhatten. Unser Ziel war die "Stockyard City", ein Stadtteil im Südwesten von Oklahoma City. Hier befindet sich ein riesiger Viehhandelsplatz, an dem die Farmer aus der Umgebung montags und dienstags ihre Kälber, Stiere und Kühe verkaufen.

Doch zunächst mussten wir uns stärken und taten dies im Cattlemen's Steakhouse.


Dirk konnte gar nicht glauben, dass die so früh schon Frühstück servieren, aber das Restaurant ist ein Treffpunkt der örtlichen Viehzüchter und die können offenbar etwas Deftiges vertragen, egal  zu welcher Tageszeit. Das bekommt man dort in der Tat: eggs'n brain (Rinderhirn mit Ei) oder lamb fries (dünngeschnittene Rinderhoden im Schlafrock). Okay, für uns brauchten es dann nur Eier, Speck und Toast sein. Die waren auch hier wieder sehr lecker! Die Atmosphäre war toll, die Kellnerin herrlich unaufgeregt.

Diese fragten wir nach dem Weg zum Viehumschlagsplatz und ob wir uns dort ruhig umschauen dürften. Natürlich durften wir. "We don't need to buy a cow to get access there?" (Wir müssen keine Kuh kaufen, um Zugang zu bekommen?). Das Gelächter war auf unserer Seite. 


Vor der Auktionshalle sind - soweit das Auge reicht -Rinderboxen aufgebaut. Es riecht schon nach "Land" und man fühlt sich in eine völlig andere Welt vesetzt.

                                                  da standen sie, unsere Steaks....

Wir fanden schließlich den Weg in die Halle und fielen sofort als Touristen auf: wir hatten keine Cowboyhüte, keine Jeans, keine Boots, keine Sporen, keine gestärkten Hemden...

Dirk raunte mir noch zu, ja die Hände unten zu lassen, nicht dass wir doch noch versehentlich einen Jungbullen kaufen würden! Prompt fing meine Nase an zu jucken und ich traute mich kaum, mich zu rühren.


Das ist zwar kein von uns gedrehtes Video, es gibt aber genau wieder, was wir erlebt haben. Schaut euch das unbedingt mit Ton an, der Auktionator ist der Hammer. Der muss spätestens nach einer Stunde eine Pause einlegen, so anstrengend muss das sein.


Hier an diesem Ort schienen sich unsere Klischees vom Farmer im Westen zu bewahrheiten.

Der Auktionator fragte uns  doch tatsächlich während der laufenden Auktion (über Mikrofon) wo wir herkämen. Alle Aufmerksamkeit war auf uns gerichtet, natürlich waren wir die Exoten. Wir antworteten wahrheitsgemäß, worauf ein Farmer durch die Halle rief: "Die wollten bestimmt nach Miami, Florida und sind in Miami, Oklahoma gelandet." Ein anderer fragte:"Was machen sie hier? Ich denke alle Deutschen sind beim Oktoberfest!" Der Auktionator:"Ich glaube, die haben das ganze Jahr über Oktoberfest da drüben."  Und WIR hatten Klischees im Kopf! 

Alles in allem eine kurzweilige und sehr authentische Erfahrung. Zum Glück hatten die Geschäfte im Stadtteil noch nicht geöffnet, ich hätte mir sonst im Überschwang der Gefühle doch noch einen Westernhut gekauft!

Wir machten dann noch einen kurzen Halt am State Capitol, dem "Landtag" von Oklahoma.

Rechts im Bild seht ihr einen Ölbohrturm, sie haben hier sogar auf dem Regierungsgelände nach Öl gebohrt. Und mit Sicherheit hat hier dennoch niemand im Traum daran gedacht, den "Landtag" abzureißen.  :-)

Sobald wir dann die Vororte von OKC hinter uns gelassen hatten, erwartete uns wieder viel "Gegend". Wie froh waren wir, mal wieder kleine Dinge am Straßenrand zu sehen, die das Herz des Route66-Reisenden höher schlagen lassen:



An Lucille Hammons aufgegebener Tankstelle kurz vor Hydro, OK (kaum vorstellbar dieser Name am anscheinend trockensten Ort Oklahomas) zeigte die Zapfsäule 28 Cent für die Gallone an. Wie viele Jahre muss DAS her sein? Wir wurden ganz wehmütig, heute kostet die Gallone etwa zwischen $ 3,50 (in Missouri und Oklahoma) und $ 4,20 (in Chicago). Eine Gallone entspricht etwa 4 Litern.

By the way, könnt ihr da drüben in "good old Europe" mal bitte etwas für die Stabilisierung des Euro tun? Wenn das so weiter geht, sprengt das noch unsere Reisekasse!  *zwinker*


In Deutschland stellt man sich Zwerge in den Garten, in Oklahoma einen (oder mehrere) Oldtimer. Hier einer von der schöneren Sorte; es gibt aber auch viele Autofriedhöfe. Besonders fallen uns immer die alten "Airstream"-Wohnwagen auf. Bei uns daheim würden Sammler eine Menge Geld für so ein schönes Gefährt ausgeben, hier gammeln sie einfach in der Gegend rum. Ich möchte nicht wissen, wieviel Milliarden Tonnen an Schrott auf amerikanischen Grundstücken verrotten.

Ansonsten war es immer noch sehr heiß, weit über 30°C, auch wenn langsam Wolken aufzogen. Im Radio spielten sie ständig Lieder wie "Have you ever seen the rain" oder "It never rains in Southern California". Humor beweisen sie hier!

Musikalisch ging es auch in Clinton, OK im "Oklahoma Route 66 Museum" zu.

Jeder Raum beschäftigte sich mit einem bestimmten Jahrzehnt der Route 66-Geschichte; passend dazu gab es einen Song aus der jeweiligen Zeit.


Hier bekommt Dirk entweder gerade seine "Kicks on Route 66" oder ist im "Hotel California" (auch wenn da was ganz anderes steht).   :-)

Die Hotelsuche am Abend in Elk City gestaltete sich übrigens gar nicht so leicht. In den ersten, die wir ansteuerten, sollte es angeblich nur noch einzelne Zimmer zu weit überhöhten Preisen geben. Das mochten wir gar nicht glauben. Sahen wir etwa so verzweifelt aus, dass man uns auf diese Art über den Tisch ziehen könnte? Der Portier im "Clarion Inn" klärte uns schließlich auf, dass neue Ölfunde in der Gegend einen derartigen Boom ausgelöst hätten, dass viele Firmen ihre Mitarneiter schicken und in den örtlichen Hotels unterbringen. Wir konnten also froh sein, noch eines der verbliebenen beiden Zimmer zu bekommen.

Unser Frühstück heute Morgen hatten wir dann gemeinsam mit kräftigen Mitarbeitern in Blaumännern der Firma "Schlumberger". Die hatten einen gesegneten Appetit. Es sei ihnen gegönnt; schön, dass es in einer so leeren Gegend zumindest im Moment so viele Jobs gibt!

Dienstag, 13. September 2011

Oklahoma City - Cowboy Capital

Puh, was macht man als Tourist in einer Stadt an einem Tag, für den fast 100° F - also knapp 38°C - angesagt sind? Das Gesündeste wäre wahrscheinlich gewesen, sich im klimatisierten Hotelzimmer aufzuhalten und sich am besten nicht zu bewegen. Aber wer uns kennt, weiß dass das nichts für uns ist, zumindest nicht im Urlaub.  :-)

Drum haben wir uns vormittags, als es noch einigermaßen erträglich war, mit einem Trolleybus durch die Stadt fahren lassen. Nach dem System "Hop-on-Hop-off" stiegen wir zunächst am "Oklahoma City National Memorial" aus. An dieser Stelle ereignete sich am 19.04.1995 ein Bombenattentat, das die Stadt veränderte.


Jeder Stuhl symbolisiert eines der Opfer des Attentates; die großen jeweils einen Erwachsenen, die kleinen ein Kind. Ein bewegender Ort, gerade auch unter dem Eindruck von 9/11.

Einen weiteren Halt machten wir am bzw. im Botanischen Garten, welcher in einer Art überdimensionaler Waschmaschinentrommel angelegt ist.


Es gab unter anderem lustige "Puschel"-Blüten zu sehen:

 



Zur Mittagszeit, als die Sonne OKC oder "the City" - wie die Einheimischen Oklahoma City einfach nur nennen - schier zu verbrennen schien, "flüchteten" wir in das National Cowboy and Western Heritage Museum. Das stand eh noch auf unserer "Liste", also nix wie hin. Eine tolle Ausstellung, diese "Cowboy Hall of Fame", die gleich im Eingangsbereich mit der Statue "End of trail" aufwartet:


Kleine Anekdote am Rande: eigentlich sind größere Taschen oder Rucksäcke im Museum nicht gestattet. Die kurze unabsichtliche Bemerkung, Dirk habe dort seine Medizin drin, führte zu einem Anruf der Kassiererin bei der Leiterin des Sicherheitsdienstes. Beide hatten gegenüberliegende Counter (vielleicht gerade mal 10 m auseinander, konnten sich also sehen), aber es musste zum Telefonhörer gegriffen werden. Die Leiterin vom Sicherheitsdienst eilte sofort mit einem Aufkleber auf uns zu, den Dirk am Rucksack befestigen sollte. Der Sticker sah so ähnlich aus wie bei uns die Zeichen, die vor Radioaktivität warnen! Strange! Aber so hatten wir wenigstens unseren ganzen Kramsch dabei.   :-)

Im Museum findet man Ausstellungsstücke zum Rodeo


aber auch zu den unterschiedlichsten Sorten von

                                                             Stacheldraht.

Es gibt eine nachgebaute Westernstadt, Gemälde, Boots, Hüte und vieles mehr!

Der Museumsshop war klasse, wir hätten den halben Laden mit Deko für unser Wohnzimmer leerkaufen können. Okay, wir geben es zu, so ganz konnten wir nicht widerstehen. Mal sehen, wie das alles ins Flugzeug kommt....

Alles in allem haben wir uns drei Stunden im Museum aufgehalten. Es war angenehm kühl, fast hatte die Klimaanlage schon zu sehr in Richtung Eisschrank runtergekühlt. OKC hatte in diesem Sommer an 50 aufeinanderfolgenden Tagen Temperaturen von 100 ° F. Seit der großen Dürre in den 1930er Jahren (Oklahoma dust bowl), die John Steinbeck in "Früchte des Zorns" so eindrucksvoll beschreibt, ist der Sommer in den USA nicht mehr so heiß gewesen.  Oh oh, und für uns heißt es morgen wieder:

On the road again!